I talk to you

Warum manche Ihre Zuhörer begeistern und manche eben nicht

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum manche Menschen einfach begeistern, ja geradezu mitreißen, wenn sie sprechen – und andere, naja, ihren Zuhörern zu einem Schläfchen verhelfen?

Sister Act

Meine Freundin singt in einem Chor. Einmal trugen Sie „I will follow him“ aus dem Film Sister Act vor. Die Zuhörer bebten. Um ehrlich zu sein, das Lied jagt mir jedes Mal von neuem eine Gänsehaut ein. Sie macht sich bis heute darüber lustig, dass ich so einen Narren an diesem Lied gefressen habe. Irgendwann dachte ich darüber nach, warum mich dieses Lied so faszinierte. Ich habe die Antwort gefunden! Und dreimal dürfen Sie raten – es hat mit dem Titel dieses Blogs zu tun.

Kennen Sie den Film Sister Act? Er ist schon ziemlich alt, ich resümiere noch mal kurz: Die Loungesängerin Deloris wird Zeugin eines Mordes, den ihr Liebhaber, ein berüchtigter Gangsterboss, begeht. Um sie zu schützen, quartiert sie die Polizei kurzerhand in ein Kloster ein. Sie können sich vorstellen, wie die schrille und glitzernde Deloris, die kein Blatt vor den Mund nimmt, in den alten Wänden auffällt. Um sie besser zu integrieren, wird sie Teil des Nonnenchors, der die Zuhörer im Gottesdienst regelmäßig in ein Nickerchen versetzt. Es prallen Welten aufeinander.

I talk to you - Aufeinander prallende Welten

Die extrovertierte Deloris hält die Nonnen allesamt für langweilige und angestaubte Schnarchnasen. Die Nonnen finden Deloris Art geradezu obszön und gotteslästerisch. Die Konflikte sind vorprogrammiert. Nach und nach tasten sie sich immer mehr aneinander an und beginnen, einander zuzuhören. Deloris und die Nonnen finden immer mehr zueinander, was schließlich zum spektakulären Showdown in der Kirche führt:

Was hat das alles nun damit zu tun, wie mich meine Zuhörer wahrnehmen?

Das ist ganz einfach. Wir müssen nur Deloris beobachten. Am Anfang war sie eine Gefangene ihrer eigenen Welt, die für sie die einzig richtige war. Sie öffnete sich dieser neuen, anderen Welt nicht und hörte nicht zu. Irgendwann wurde sie aber aufmerksam für die Probleme und Anliegen dieser neuen Welt. Aber sie ließ nicht ihr altes Leben einer glitzernden Loungesängerin und ihr aufbrausendes Wesen hinter sich. Sie brachte es mit ein. Und so gelang ihr das Unmögliche: Durch Zuhören und Beibehalten ihrer Authentizität schaffte sie es, die Menschen nicht nur zu erreichen, sondern zu begeistern und mitzureißen!

Abraham Lincoln sagte mal:

„Wenn ich mich darauf vorbereite, vor Menschen zu sprechen, verbringe ich zwei Drittel der Zeit damit, herauszufinden, was sie hören wollen, und ein Drittel, um darüber nachzudenken, was ich sagen möchte.“

Das ist das Geheimnis guter Redner: Verstehen, was die Zuhörer bewegt und was sie hören wollen. Einmal nahm ich an einer Tagung zum Thema digitale Transformation teil. Alle Redner sprachen auf dem Kanal „ZDF“: Zahlen, Daten, Fakten. Die eigentlich interessanten Themen wurden so staubtrocken und langweilig aufbereitet, dass alle Zuhörer im Delirium waren. Dann sprach Prof. Skibicki. Es ging weder um Zahlen oder Daten noch um Fakten. Er zeigte Beispiele, sprach von sich und seiner Familie (Authentizität!) und war einfach anschaulich. Das Publikum brach in tosenden Applaus aus.

I follow you!

Sie sehen, wenn Sie sich unterhalten, eine Präsentation im Büro halten oder von einem Podium sprechen, Sie haben immer die Wahl: Sie können Ihr Publikum einschläfern oder sie können es dazu bringen, dass es Ihnen folgt und es zum Sprühen bringen!